„Die Verwandlung“ als expressionistisches Werk
„Die Verwandlung“ wird heute als expressionistisches Werk eingestuft, denn obgleich keine „typisch“ expressionistische Sprache in Kafkas Werken vorhanden ist, so versucht er doch, durch sprachliche Experimente und Wortneuschöpfungen neue Wirkungen zu erzielen.
Auch die Verdinglichung des Menschen und die sich daraus ergebende Fragwürdigkeit der Existenz lässt sich als eine von den Expressionisten aufgegriffene Problematik, ähnlich wie die Perspektivlosigkeit im allgemeinen und Gregors wachsender Vereinsamung im besonderen, einordnen. Die Unmöglichkeit der zwischenmenschlichen Kommunikation und die Missdeutung des Verhaltens werden als zentrales Thema aufgegriffen, so auch von Kafka in der Gestalt Gregors in „Die Verwandlung“, in seinen unzähligen Parabeln, wie beispielsweise „Der Steuermann“ oder „Heimkehr“ und in seinen Erzählungen und Romanen („Der Heizer“, „Das Schloss“, „Der Prozess“)
Kafka stellt in seinen Werken- wie nun schon zu genüge bestätigt- eigene, subjektive Empfindungen, Probleme oder Konflikte dar, indem er Probleme in zwischenmenschlichen Beziehungen, Gefühle der Schwäche, Ohnmacht und Minderwertigkeit, die entfremdete Berufswelt oder auch autoritäre Strukturen als ihn selbst zermürbende Konflikte und sogleich expressionistische Thematiken aufgreift und erreicht somit einen autobiografischen Schreibstil, womit seine Werke die negative, pessimistische Weltsicht Kafkas untermalen.
So wurden einige seiner Werke in der expressionistischen Reihe DER JÜNGSTE TAG/ Kurt Wolff Verlag veröffentlicht, doch trotz dieser Bestätigung fühlte sich Kafka selbst nicht als ein Expressionist und lässt sich auch keineswegs vollständig in einer der zahlreichen Strömungen um die Jahrhundertwende zuordnen, denn im Gegensatz zu den Expressionisten, „schrie“ er seine Probleme nicht in die Welt hinaus, sprengte keine alten, konservativen Formen oder dergleichen.
Kafka hat seine eigene literarische Sprache gefunden und gerade diese Besonderheit lässt ihn eine hervortretende Stellung in der Weltliteratur einnehmen, da seine Werke so intensiv von subjektiven Eindrücken und Konflikten gefärbt waren und insbesondere diese Spannung macht das Interpretationsvermögen Kafkascher Texte aus.


von Linda Krause


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