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Betreff des Beitrags: Gedicht:Georg Trakl - Vorstadt im Föhn Gedichtanalyse
Verfasst: Sa Nov 24, 2007 00:41
Grundschüler
Hallo zusammen!
Ich habe ein rießen Problem: Ich finde zu dem dem Gedicht "Vorstadt im Föhn" von Georg Trakl so gut wie keine hilfreichen Informationen. Könnt ihr mir helfen? Ich muss eine Gedichtanalyse bzw. Gedichtinterpretation verfassen und mir bleiben dazu nur noch wenige Tage Zeit! Was könnt ihr mir z.B. über sprachliche und formale Mittel sagen, also das Metrum, Reimschema, Syntax, Wortwahl, Stilfiguren, etc.
Hier ist das Gedicht:
Vorstadt im Föhn Am Abend liegt die Stätte öd und braun, Die Luft von gräulichem Gestank durchzogen. Das Donnern eines Zugs vom Brückenbogen - Und Spatzen flattern über Busch und Zaun.
Geduckte Hütten, Pfade wirr verstreut, In Gärten Durcheinander und Bewegung, Bisweilen schwillt Geheul aus dumpfer Regung, In einer Kinderschar fliegt rot ein Kleid.
Am Kehricht pfeift verliebt ein Rattenchor. In Körben tragen Frauen Eingeweide, Ein ekelhafter Zug voll Schmutz und Räude, Kommen sie aus der Dämmerung hervor.
Und ein Kanal speit plötzlich feistes Blut Vom Schlachthaus in den stillen Fluß hinunter. Die Föhne färben karge Stauden bunter, Und langsam kriecht die Röte durch die Flut.
Ein Flüstern, das in trübem Schlaf ertrinkt. Gebilde gaukeln auf aus Wassergräben, Vielleicht Erinnerung an ein früheres Leben, Die mit den warmen Winden steigt und sinkt.
Aus Wolken tauchen schimmernde Alleen, Erfüllt von schönen Wägen, kühnen Reitern. Dann sieht man auch ein Schiff auf Klippen scheitern Und manchmal rosenfarbene Moscheen.
Frage mal deinen Lehrer, warum er dir und euch ein solch schweres Trakl-Gedicht aufbrummt.
M. W.s gab es keine Moscheen in Salzburg, dem Handlungsort fast aller Trakl-Gedichte. Dss könten meien, dass Trakl auch in anderen Religionsstätten (wie in den katholischen Kirchen in salzburg keine Hoffunge und keinen Frieden fand, obwohl er sich um die Friedens-Idee des Islam bemühte.
Als Georg Trakls Gedicht Vorstadt im Föhn 1913 auf Vermittlung Robert Müllers in der Innsbrucker Avantgardezeitschrift Der Brenner erschien, machte es seinen Autor mit einem Schlag auch außerhalb der Expressionistenkreise berühmt. Die Passage aus „Vorstadt im Föhn“ mit der „Kinderschar“ mit dem „roten Kleid“ illustriert Trakls Verfahren eines scheinbar indifferenten, tatsächlich aber melancholisch-verzweifelten Nebeneinanderstellens von Sinneseindrücken, wie es für den so genannten Reihungsstil des Expressionismus typisch war; selbst das rote Kleid des Kindes stellt keinen Anlass zur Hoffnung dar. Die geisterhafte (wie Engel...) davonfliegenden Kinder versinnbidlichen die Chancenlosigkeit für kindliche Entwicklung (wie sie z. B. von Christus in der Bibel gefordert wurde als Maß für christliche Verantwortung überhaupt).
Die dynamischen, ja die Vorgäng dynamisiernden Verben steigern die Wahrnehmungsempfindungen, die sowohl die äußeren, weltkriegs-schwangeneren Umstände der kuk-Zeit, aber auch noch zentraler die inneren, psychischen Verhältnisse des emotional hochgradig gestörten Trakl spiegeln.
Im Expressionismus als Spiegelbild einer zerstörten jugendlichen Entwicklungszeit, ohne familiäre, elterliche oder freundschaftliche Beziehungen zerrinnen oder ent-steigern sich alle Eindrücke ins Fratzenhaft-Zerstörerische; schließlich bei Trakl ins Selbstzerstörerische.
* Trakl zeigt gegenüber anderen Expressionisten keine sozialkritischen Wahrnehmungen oder politischen Aufforderungen, sondern verbleibt lyrisch im inneren Spiegel der gestörten, farblich entsetzlich entstellten, apokalyptisch veränderten Welt seiner kurzen Lebenstage.
_________________ Nur Heinzelmännchen könnten deine Hausaufgaben sofort erledigen ...
Wow - vielen Dank für deine sehr hilfreiche Antwort! Nur welches Reimschema verwendet Trakl hier und enden die Verse mit männlichen oder weiblichen Kadenzen? Das Reimschema ist ABBA, also ein umschließender Reim nur bei Wassergräben und Leben reimt es sich nicht, oder doch und bei verstreut und Kleid reimt es sich auch nicht wirklich. Gibt es Enjambements? Wenn ja, wo?
Zu den Begriffen musst du die Bedeutungen erlernen, dann kannst du sie auch er-kennen.
Was ist ein Verssprung denn, wenn er über das Zeilenende hinausschießt und den Satz in die nächste Verszeile hinübergleiten läßt?
Zu den Reimen? Da musst du dir mehr anlesen (d.h. üben!), als hier abzuschreiben.
Natürlich sind „..-gräben“ und „Leben“ hörbare Reime, eben nicht so glatte; es sind sog. „unreine “Anklänge; und das hat auch was zu bedeuten, dass die Sinne und Wahrnehmungen und Aussagen nicht optimal ineinander klingen, also auch nicht einfach sinnich und glaubhaft „wahr“ sind, sondern missgestimmt; nur ungefähr „passen“. Also die Widersprüche erkennen lassen.
Noch zu den "Moscheen": Die Wolkenwahrnehmungen in der Schlussstrophe verraten die Sehnsucht des lyrischen Ich nach Abenteuern, nach Ferne, in die „man“ entkommen will, wohin „man“ flüchten möchte angesichts der Missstimmungen: „Schiffe“, die irgendwohin fahren, wo es freier, unbeschwerter ist, „Moscheen“ in fernen Landen, wovon „man“ gelesen hat, wohin z.B. in Phantasiegeschichten wie aus dem Morgenland passen, etwa aus „Tausendundeiner Nacht“.
Das sind Sehnsuchts-Topoi: Warheiten, Gefühle, Erfüllungen, die "man" sich erträumt.
In dieser „Lebensgeschichte“ aus der ZEIT, 15.11.2007 Nr. 47, ist Georg Trakl gemeint:
They'll look back, and they will ask "What were you thinking? Didn't you see the glaciers melting? Didn't you see the North Polar ice cap disappearing? Didn't you see the deserts growing?" ...mehr