Thema anzeigen - interpretation goethes gedicht "die grenzen des menschh


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BeitragVerfasst: Di Nov 08, 2005 23:17 
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bis morgen habe ich die aufgabe das gedicht von goethe "die grenzen des menschheit" zu machen.
da ich auch morgen eine zweistündige englischschularbeit habe, konnte ich es nicht machen.
hat jemand eine schon geschriebene interpretation von dem gedicht :oops:

dringend!!!!!!!


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BeitragVerfasst: Sa Nov 12, 2005 15:32 
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Diese Interpretation ist ein bisschen anspruchsvoll; zu Beginn meint der Prof. von Matt: Ist diese Hymne auf Gott und die Unterordnung unter seine Zeichen, seine Herrlichkeit, seine Obergewalt nur eine Unterwerfung des lyrischen Ich, also ein Verzicht auf Selbstständigkeit, Eigenverantwortung.
Lies mal, ob du was damit anfangen kannst.
Also: Weglassen, was dir nicht zusagt.

Wenn du noch Fragen hast – na, dann, bitte sehr:
an andere Himmels-Deuter oder Antonio!!

*

Interpretation zu: Goethes „Grenzen der Menschheit“ von Peter von Matt:

SELBSTBEWUSSTE DEMUT

Ein Unterwerfungschoral? Eine Hymne der Kapitulation?
Die Klassik auf dem Weg zur Fügsamkeit? Im Jahrzehnt der Revolution ein Kniefall vor der Hierarchie? Die Frage muß gestellt werden. Denn allzu selbstverständlich hat das deutsche Obrigkeitsdenken die Klassik weit über ein Jahrhundert lang zum Arsenal der eigenen Parolen erniedrigt und daraus bezogen, was an Maximen des Gehorsams und der Liebedienerei von Fall zu Fall gebraucht wurde, als daß hier vergessen werden dürfte, zu was allem die poesiegesättigten Untertanen schließlich ja und amen sagten, »kindliche Schauer / Treu in der Brust«.
Ein Unterwerfungschoral also doch? - Nur wenn man die triste Tradition der Vereinfachungen weiterführt. Das Gedicht gilt allgemein als Gegenzug zu den lyrischen Verlautungen eigengesetzlicher Subjektivität, zum ungezügelten Ich der Kronos- und Prometheus-Hymnen und zur erotischen Ekstase des Ganymed. Gegenzug sicher, aber ob dieser Gegenzug als eine Aktion der Selbsterziehung begriffen wird - »der Dichter geht in sich« — oder als eine nochmalige Erweiterung des seelischen Erfahrens, darin trennt und entscheidet sich die Deutung. Prometheus steht zum Ich dieser Strophen nicht wie die Hybris zur Bußfertigkeit, sondern - um ein lebenslanges Ordnungsbild Goethes zu gebrauchen - wie das Einatmen zum Ausatmen. Eine Polarität bildet sich hier ab und nicht
ein Reifungsprozeß. In der mythischen Demut, die sich unter Gottes Donnern neigt, steckt jener mythische Trotz als ihre Bedingung.
Kniefall und Auflehnung setzen einander gegenseitig voraus. Nur so nämlich wird das »Ganze« gewonnen, um das es diesem Dichter zuletzt immer geht. Man muß zuschauen, wie dem Gedicht, das den Menschen so gebieterisch in die Schranken weist, die Zeichen der Ganzheit und Fülle eingewoben sind. Die vier großen Strophen stehen unter der Signatur der vier Elemente: Feuer, Luft, Erde, Wasser. Von jedem ist der Mensch bedrängt, durch jedes muß er hindurch wie die Liebenden in der »Zauberflöte«.
Aber indem er erfährt, wo er niemals hinreicht, wird ihm zugleich das Ganze schrittweise zugemessen, genauer: mißt er sich selbst dieses Ganze in Ruhe zu. Denn der da spricht und Schranken setzt, ist nicht der alte Gott, sondern der Mensch.
Wohl erinnert der Anfang an Blitz und Donner und die »dicke Wolke« auf dem hohen Sinai, aber hier diktiert kein Vatergott über alle Köpfe hin die Gebote, sondern aus der Erfahrung des zugemessenen Ganzen heraus — »was der ganzen Menschheit zugeteilt ist«, heißt es im »Faust« - zieht der Mensch eigenhändig den Kreis seiner Existenz. Die grandiose erste Strophe, von der das ganze Gedicht poetisch lebt und deren Echo bis heute durch die deutsche Lyrik geht, zielt: also nicht auf das unmündige Subjekt, sondern feiert die erfahrungsfähige Person, die den Schrecken aushält, die Schwäche und Gewißheit der Vernichtung, und die gerade darüber ihrer selbst gewiß wird.
Der vielumrätselte Schluß steht unter der Signatur des Rings, des ältesten Zeichens der Vollkommenheit. Das Bild entspringt aus dem Gedanken an das Allerflüchtigste, die Wellenkreise um den Wassertropfen, und biegt hinüber in die Vorstellung des ganz Dauerhaften, der Kette des Daseins.
Einatmen und Ausatmen auch hier.
*
(Aus: Frankfurter Anthologie. Bd. 2: Goethe - Gedichte und Interpretationen. Insel Verlag 1996. S. 119ff.)

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